Dolmetschertopf

Interkulturelle Öffnung der Gesundheitsberatung und Behandlung durch den Einsatz von Dolmetscherinnen und Dolmetschern

Anlass

37% der Menschen, die in München leben, haben einen Migrationshintergrund. Viele von ihnen verfügen nicht über so ausreichende Deutschkenntnisse, dass sie gesundheitsbezogene Beratungs- und Behandlungsdienste in wünschenswertem Umfang nutzen können. Viele Einrichtungen und Angebote wiederum sind noch zu wenig kultursensibel gestaltet. Die geringe Inanspruchnahme von Gesundheitsberatung und Behandlung birgt Risiken: Krankheiten werden evtl. nicht oder zu spät erkannt, Behandlungen zu spät eingeleitet, präventive Informationen erreichen die Zielgruppe nicht. Mangelnde Deutschkenntnisse oder ein nichtdeutscher kultureller Hintergrund dürfen aber kein Hindernis sein, bei Fragen oder Problemen im gesundheitlichen Bereich Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Projektziele

Erleichterter Zugang zu gesundheitsbezogenen Beratungs- und Behandlungsdiensten für Migranten durch den Einsatz von Dolmetschern, um eine verbesserte Gesundheitsversorgung zu erreichen. Interkulturelle Öffnung von Angeboten des kommunalen Trägers (Landeshauptstadt München, Referat für Gesundheit und Umwelt, RGU) sowie der von ihm bezuschussten gesundheitsbezogenen Dienste von Wohlfahrtsverbänden und Vereinen (Suchtberatungsstellen, Krebsberatungsstellen, ambulante Hospize u.a.).

Umsetzung

Projektbeginn im Jahr 2009 mit Einrichtung eines Fördertopfes im Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München.

  • Ausbildung von kulturkompetenten Dolmetschern für den Gesundheits- und Sozialbereich durch das Bayerische Zentrum für Transkulturelle Medizin e.V. einschließlich Schulung für spezielle, in anderen Kulturen z.T. tabuisierte Themen (z.B. psychische Erkrankungen, HIV, sexuell übertragbare Erkrankungen, Schwangerschaftsberatung). Inzwischen sind Dolmetscher für mehr als 80 Sprachen ausgebildet. Seit 2010 können vom RGU geförderte Einrichtungen den Dolmetscherservice kostenfrei in Anspruch nehmen.
  • Kultursensible Öffnung der vom RGU geförderten Gesundheitseinrichtungen, Schulungen für Fachkräfte zur "Kultursensiblen Gestaltung des Beratungs- und Behandlungs-Settings unter Hinzuziehung einer Dolmetscherin/eines Dolmetschers" (vier Schulungen mit 59 Teilnehmern aus 23 Einrichtungen).
  • Öffentlichkeitsarbeit: Ein vom Bayerischen Zentrum für Transkulturelle Medizin entwickeltes Plakat und ein Flyer in vielen Sprachen und mit leicht verständlichen Symbolen weisen auf das Dolmetscherangebot hin.
  • Im RGU gibt es seit dem Jahr 2000 eine Vollzeitstelle für den Bereich "Migration und Gesundheit", die u.a. die Beseitigung von Zugangsbarrieren in Prävention und Gesundheitsförderung zum Ziel hat. Seit 2012 können auch die internen Dienststellen Dolmetscher zur Beratung hinzuziehen, z.B. in der Alkohol-, Medikamenten- und Drogenberatung, im Sozialpsychiatrischen Dienst, der Schwangerenberatung, der Beratung zu HIV/AIDS u.a. 68 Dienstkräfte aus drei Abteilungen und 11 Fachbereichen wurden zwischen März und Mai 2012 zur Arbeit mit Dolmetschern geschult.

Die Dolmetscher-Einsätze in den geförderten Einrichtungen nehmen stetig zu (2010: 119; 2011: 331; 2012: bisher 420 Einsätze, u.a. in der Schwangerschaftsberatung, ambulanten Psychiatrie, Suchthilfe, Münchner Aids-Hilfe, Epilepsieberatung). In den Dienststellen des RGU fanden von Januar bis April 2012 23 Einsätze statt (Schwangerenberatung, Hausbesuchsdienst der Kinderkrankenschwestern, Infektionsschutz, Tuberkuloseberatung). Alle Einsätze werden dokumentiert, dem Stadtrat wird jährlich berichtet. 2013 wird das Projekt evaluiert.

Dokumentation: Projektbericht, Flyer, Plakat, Auszug aus dem Jahresbericht 2010 der Staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen im Evangelischen Beratungszentrum München e.V.

Ressourcen, Finanzierung

Der Dolmetschertopf wird von der Landeshauptstadt München zur Verfügung gestellt. Im RGU sind zwei Mitarbeiterinnen anteilig für die Projektbegleitung verantwortlich

Kommentar im Projekt

"Das Dolmetscherprojekt wird sowohl von den bezuschussten Einrichtungen als auch von den städtischen Dienststellen sehr positiv aufgenommen … Aus Sicht des Referates für Gesundheit und Umwelt ist das 'Dolmetscherprojekt' ein beispielhaftes Projekt zur interkulturellen Öffnung von Diensten und Einrichtungen des Gesundheitswesens."

Kontakt

Landeshauptstadt München
Referat für Gesundheit und Umwelt
Ansprechpartnerinnen: Uschi Haag, Andrea Mager-Tschira
Bayerstraße 28a, 80335 München
Tel. 089-23347510, 089-233475930
gvp.rgu@muenchen.de, gvo.rgu@muenchen.de
www.muenchen.de/rgu

Stand der Projektinformation: Dezember 2012