GRENZen erLEBEN

Wie fühlt es sich an, an einer psychischen Störung zu leiden? Eine Erlebnisausstellung zum Thema "psychisch krank" des Sozialpsychiatischen Dienstes des Caritas Zentrums Traunstein

Anlass

Psychische Erkrankungen sind keine Randerscheinung: Jeder 12. Arbeitsausfalltag steht inzwischen in Zusammenhang mit einer psychiatrischen Diagnose; psychische Erkrankungen sind die dritthäufigste Ursache von Frühberentungen. Oft jedoch wird das Leid der Betroffenen nicht erkannt oder falsch verstanden und sie selbst vermeiden es, darüber zu sprechen, aus Angst vor Vorurteilen und Ausgrenzung. Dies belastet auch die Familie und das soziale Umfeld. "Es gibt keine Gesundheit ohne seelische Gesundheit" (WHO, Helsinki 2005).

Projektziele

"Früherkennung, Vorbeugung, Aufklärung, Gesundheitspflege, Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen … GRENZen erLEBEN macht psychische Erkrankungen nachvollziehbar, mit den Sinnen erlebbar. Dadurch wird psychische Krankheit entmystifiziert, ihr wird die Unheimlichkeit und der Schrecken genommen". Selbsterfahrung weckt Interesse und Motivation für eine Auseinandersetzung mit dem Thema.

Umsetzung

"Was bedeutet es, psychisch krank zu sein? Wie verändert sich die Welt, wie reagiert die Umgebung? Wie fühlt es sich an?": Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Caritas Traunstein diskutierten mit Betroffenen und erarbeiteten gemeinsam die Wanderausstellung "GRENZen erLEBEN". Zentrales Element sind die Erlebnisräume, die über verschiedene Reize einen Eindruck des Lebens mit Depression bzw. Schizophrenie vermitteln. Die Ausstellung besteht aus drei Bereichen:

  • Im Foyer als einladendem Warte-, Informations-und Kommunikationsraum werden
    die Besucher begrüßt, es gibt Informationen zu Krankheitsbildern sowie zu psychosozialen und medizinischen Hilfsangeboten vor Ort; es ist zugleich Raum für das Rahmenprogramm mit Vorträgen, Lesungen, Filmabenden u.a. Ein abgetrennter Gesprächsbereich ermöglicht die Reflexion der Erfahrungen in den Erlebnisräumen. Ist autorisiertes Fachpersonal vorhanden, kann eine zusätzliche "Diagnosestraße" für nichtmedizinische Selbsttests und ggf. Beratungsgespräche eingerichtet werden.
  • Im abgedunkelten "Depressionsraum" mit tunnelartigen Gängen wird das Gefühl
    der körperlichen Schwere und Ausweglosigkeit spürbar (Aufenthalt 10 bis 12 min.). Die Besucher bewegen sich mit Röntgen-Bleiwesten, sie nehmen Platz auf niedrigen Hockern, die das Aufstehen erschweren, über Kopfhörer ertönen depressiv kreisende Gedanken. Am Schreibtisch sollen sie ihr letztes freudiges Ereignis notieren
  • Im als Supermarkt gestalteten "Psychoseraum" bewegen sich die Besucher auf beengtem Raum mit Einkaufswagen und dem Auftrag, einzukaufen (Aufenthalt 12 bis 15 min., mind. 4 Besucher gleichzeitig). Dabei erhalten sie über Kopfhörer akustische Reize, die zum Teil an der Grenze der Wahrnehmung liegen, die sich überlagern, irreführende Instruktionen enthalten und durch nichtreale Stimmen verwirren. Das Supermarktpersonal scheint zu beobachten und manipuliert den Einkauf, indem es z.B. etwas aus den Einkaufswagen nimmt. Die Waren sind in Gewicht und Aussehen verändert.

Der Sozialpsychiatrische Dienst Traunstein verleiht die Ausstellung, er organisiert Transport, Aufbau und Gestaltung sowie die Schulung für den eigenverantwortlichen Betrieb und unterstützt die Veranstaltung durch telefonische Rufbereitschaft und Anwesenheit bei Bedarf. Für die Betreuung der drei Ausstellungsbereiche werden jeweils drei Personen benötigt.

Dokumentation: Projektdokumentation, Presseberichte, Auszüge aus dem Gästebuch, Ergebnisse der Evaluation in München und Traunstein

Ressourcen

Nutzungsgebühr, Spenden, Aktion Mensch. Die Leihgebühren betragen 2.798 Euro für eine bzw. 4.898 Euro für zwei Wochen zuzüglich Transportkosten. Der Eintritt in die Ausstellung ist kostenfrei.

Kommentar im Projekt

Aus dem Gästebuch der Ausstellung: "Eine sehr beeindruckende Ausstellung" – "Vielen Dank für diese wichtige Erfahrung!" – "Bitte, bitte sorgen Sie dafür, diese leicht verständliche und eindringliche Ausstellung einem breiten Publikum zugänglich zu machen, z.B. als Pflichtbesuch für jeden Studenten sozialer Berufe und alle anderen Akteure!" – "Ein wichtiger Schritt … mit Liebe und dem nötigen Respekt gestaltet" – "Dieser enorme Einsatz lohnt sich sehr!" – "Danke!"

Kontakt

Sozialpsychiatrischer Dienst des Caritas Zentrums Traunstein
Ansprechpartner: Robert Siller, Ursula Zillner
Herzog-Wilhelm-Straße 20, 83278 Traunstein
Tel. 0861-98877-51, Fax 0861-98877-50
spdi-traunstein@caritasmuenchen.de

Stand der Projektinformation: Mai 2009