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Risikokommunikation am Beispiel Neuer Psychoaktiver Substanzen

14. April 2015

Workshop

Aus der Einladung

Die Frage, wie mit Drogenkonsum verbundene Gesundheitsrisiken am besten kommuniziert werden, wird kontrovers beantwortet: So wurde beispielsweise in den 1970er und 1980er Jahren in den USA und in Deutschland durch die Darstellung verwahrloster und körperlich gezeichneter Drogenkonsumenten stark auf Abschreckung gesetzt. Im Laufe der 1980er Jahre hat sich Präventionskräften jedoch gezeigt, dass die Gruppe der risikosuchenden Jugendlichen gerade dadurch angezogen wurde. Zudem wurden die Bilder von Einsteigern als nicht realistisch eingeschätzt, da sie Konsumenten kennenlernten, die derartige Merkmale nicht aufwiesen. Diese Strategie machte die Präventionsaktivitäten in diesen Kreisen unglaubwürdig. Selbst die gut gemeinte Story um Christiane F. hatte – vielleicht gerade wegen der erzählerischen Qualität der Darstellung – einen Werther-Effekt, der viele junge Mädchen mit einer Art Weltschmerz in die Drogenszene verführte.

Mittlerweile gibt es medien- und zielgruppenspezifische empirische Studien über die Wirkungen verschiedener präventiver Strategien, die eine differenzierte Intervention zu ermöglichen scheinen.

Mit dem Aufkommen der Neuen psychoaktiven Substanzen (NPS), insbesondere von Crystal, werden erneut Bilder der vom Drogenkonsum gezeichneten Konsumenten gezeigt. Auch TVFormate wie der Tatort haben in jüngster Zeit mehrfach das Thema aufgegriffen und Crystalkonsum, Opiatabhängigkeit und Gewalt in den Mittelpunkt ihrer Kriminalfälle gestellt.

Auch abstoßende Fotos von Folgeerkrankungen des Tabakrauchens sind auf Zigarettenschachteln zum Standard geworden. Die Zweifel an deren generellen Wirksamkeit – vor allem bei bereits Süchtigen – bestehen weiterhin. Manche Experten meinen sogar, man solle, vor allem beim Aufkommen von neuen Substanzen, überhaupt nicht über Massenmedien berichten. Wie aber sollte dies in einer Internetgesellschaft möglich sein? Und wie ließe sich dann die gesellschaftliche Aufmerksamkeit gewinnen? Die zentrale Frage zur Optimierung der Prävention ist also: Wer sollte was, wann, zu wem und auf welche Art sagen?

LEITFRAGEN

Im Rahmen der Veranstaltung erhalten Sie die Gelegenheit, gemeinsam mit einem interdisziplinär zusammengesetzten Expertenteam Kriterien zu erörtern, die eine Risikogruppen erreichende Berichterstattung ohne Animationseffekte ermöglichen. Zu den zentralen Leitfragen gehören:

  • Sollte man überhaupt über neu erscheinende Substanzen/Konsumtrends kommunizieren?
  • Wenn man über neue Substanzen informiert: Worin liegen die Chancen, worin die Gefahren?
  • Wie erreicht man die Risikogruppen unter den Konsumenten via allgemeiner Medienberichterstattung und
    spezifischer Aufklärungskampagnen?
  • Funktionieren Abschreckungskampagnen? Was sagt die Wissenschaft? Welche Erkenntnisse gibt es aus der
    Praxis?
  • Wie sieht eine gelingende Kommunikation aus, die effektiv über die Gefahren des Konsums von Substanzen
    informiert, ohne zu deren Konsum zu animieren?
  • Welche Kriterien sind im Kontext der Berichterstattung zu berücksichtigen? Welche bei Aufklärungskampagnen?
    Wie sieht ein optimales Kampagnendesign aus? Wie informiert man glaubwürdig und erzielt den gewünschten
    Warneffekt?
  • Blickpunkt legale Substanzen: Werbeindustrie als Vorbild – Was kann man von den Werbestrategen der
    Alkohol- und Tabakunternehmen für die „andere Seite“ der Risikokommunikation lernen?

Informationen und Kontakt

Zielgruppe
Vertreter der Presse, des Suchthilfesystems (u.a. Beratungsstellen, Kliniken, Arztpraxen, Apotheken, Gesundheitsund Jugendämter, Präventionseinrichtungen, Polizei, Betriebliche Suchtprävention), assoziierter Berufsfelder, der Suchtselbsthilfe und der Kommunikationsbranche

Teilnahmegebühr
Der Unkostenbeitrag beträgt 50 €. Medienvertreter können kostenfrei teilnehmen.

Kontakt
Bayerische Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen
BAS Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)
Geschäftsführung: Dipl.-Psych. Melanie Arnold
Landwehrstr. 60-62, 80336 München
Tel.: 089. 530 730 – 0, E-Mail: bas@bas-muenchen.de,
Web: www.bas-muenchen.de

Anmeldung
Bitte melden Sie sich online unter folgendem Link an:
www.bas-muenchen.de/seminar/code/FV-2015-Risikokommunikation.html

Allgemeine Veranstaltungshinweise finden Sie unter:
www.bas-muenchen.de/veranstaltungen/allgemeinehinweise.html

Veranstaltungsort
Trägerkreis EineWeltHaus München e.V.
Schwanthalerstraße 80, Rückgebäude
80336 München