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Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Fortbildung, Kommunikation und Kooperation: Beim Bayerischen Forum
AIDS-Prävention kommen jedes Jahr im Sommer Fachkräfte aus Gesundheitsämtern, Psychosozialen AIDS-Beratungsstellen, AIDS-Hilfen und Präventionsprojekten zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und mit Experten aktuelle Entwicklungen und Erfordernisse zu diskutieren – eine bundesweit als „spannend und vorbildlich“ geschätzte Veranstaltungsreihe des ZPG.

Zum dritten Mal in Folge trafen sich die bayerischen Fachkräfte und Experten der HIV und AIDS-Prävention im Schloss Fürstenried im Stadtrand von München zum Bayerischen Forum AIDS-Prävention. Nach der Einführung in die aktuelle Entwicklung und in spezielle Phänomene der HIV-Epidemie, fokussierten die Vortragsreihen diesmal auf vier Hauptzielgruppen der präventiven Arbeit: Drogengebrauchende, Migranten, Jugendliche und Männer, die Sex mit Männern haben. Die Referate wurden durch Beispiele aus der praktischen Arbeit von Fachkräften der AIDS-Prävention in Bayern aufgelockert.

Die Veranstaltung fand in dieser Art zum letzten Mal statt. Zum Jahr 2018 werden das Bayerische Forum AIDS Prävention und das Bayerische Forum Suchtprävention im gemeinsamen zeitlichen und räumlichen Kontext durchgeführt. Die Vernetzung zwischen Suchthilfe und AIDS-Hilfe soll einen neuen Impuls erhalten und überlappende Bereiche und Probleme sollen künftig gemeinsam diskutiert werden. Wir laden die bayerischen Fachkräfte schon jetzt für den 23. – 25. Oktober 2018 in das Tagungszentrum des Berufsförderungswerkes in Nürnberg ein.

16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Aktuelle Entwicklungen und epidemiologische Daten zu HIV in Bayern, Stand Ende 2016

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Dr. Ulrich Marcus, Robert Koch-Institut, Berlin

Weiterhin infizieren sich Menschen in Bayern mit dem HIV-Virus. Die Weitergabe der HIV-Infektion der positiven Mutter auf ihr Kind unter der Geburt ist dank der HIV-Testung im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge mit vier bis fünf Mutter-Kind-Übertragungen pro Jahr in Deutschland weiter auf gleichbleibend sehr niedrigem Niveau. Die Rate an Neudiagnosen in den vergangenen beiden Jahren war in der Risikogruppe der MSM rückläufig. Das ist kein Grund zur Entwarnung da diese Rate in den letzten zehn Jahren Schwankungen unterlag, aus denen noch kein klarer Trend ablesbar ist. In der Gruppe der heterosexuell orientierten Menschen, die die HIV-Infektion im Ausland erworben haben, wurde ein rapider Anstieg an Neudiagnosen in den Jahren 2014 und 2015 verzeichnet. In Bayern sieht man hier ebenso wie im gesamten Bundesgebiet im Jahr 2016 wieder einen deutlichen Abfall dieser Zahlen, die mutmaßlich mit der Zuwanderungswelle im Zusammenhang standen. Neudiagnosen bei Heteros, die die HIV-Infektion in Deutschland erworben haben, fluktuieren in Bayern seit 2007 um den Wert von 30 neuen Fällen pro Jahr. Die Aufklärung der sexuell aktiven Allgemeinbevölkerung darf nicht nachlassen. Im Milieu der intravenös Drogenkonsumierenden zeigte sich in Bayern gegenüber den Vorjahren ein Aufwärtstrend an HIV-Neudiagnosen. Zwischen 2015 und 2016 konnte eine Verdoppelung der Fälle von 18 auf 38 pro Kalenderjahr beobachtet werden. Diese ist mit großer Wahrscheinlichkeit einem ausbruchsartigen Geschehen zuzuschreiben. Die Quelle dieses Ausbruchs und auf welchem Weg sie verbreitet wurde ist unklar.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Fortbildungen in Polizeidienststellen

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Isabel Hübner, AIDS-Beratung Mittelfranken, Nürnberg

Die AIDS-Beratung Mittelfranken bietet seit Oktober 2015 in Polizeidienststellen 90-minütige Fortbildungen zum Infektionsrisiko durch HIV- und Hepatitis A, B, C, D und E-Viren im Rahmen der dienstlichen Tätigkeit und zu entsprechenden Schutzmöglichkeiten an. In 18 Monaten fanden 24 Schulungen statt. Aufgrund der hohen Fluktuation des Personals soll das Konzept verstetigt und auf Wunsch der Zielgruppe erweitert werden. Auch bei den Feuerwehren könnte die Schulung sinnvoll eingesetzt werden. Wissen über Infektionsrisiken und Schutzmöglichkeiten schafft Sicherheit und Souveränität am Einsatzort.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Aktuelle Entwicklungen und epidemiologische Daten zu HIV in Bayern, Stand Ende 2016

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Dr. Ulrich Marcus, Robert Koch-Institut, Berlin

DRUCK heißt „Drogen und chronische Infektionskrankheiten“ und ist eine multizentrische Querschnittstudie aus den Jahren 2011-15 unter Personen mit i.v.-Konsum in den letzten zwölf Monaten in acht deutschen Städten. Heroin ist sehr verbreitet, ansonsten schwanken die Konsummuster in den Städten. Die HIV-Prävalenz unter den Teilnehmern beträgt 4,8 % (0 ─ 9,1 %). Zwei Drittel haben oder hatten eine Hepatitis C-Infektion. Mehr als jeder sechste Teilnehmer in München sagte, es sei schwierig gewesen in den letzten 12 Monaten sterile Nadeln/Spritzen zu besorgen. Nicht ausreichender Zugang zu sterilen Nadeln und Spritzen fördert das Teilen von Konsumutensilien. Wissen zu Übertragungsrisiken beim Teilen von Filtern, Löffeln, Wasser schützt vor diesem Verhalten. Die Beratung von Drogengebrauchenden zu Übertragungswegen, Möglichkeiten der Prävention und Therapie von HBV, HCV und HIV sollte ausgebaut werden. Vier von fünf Teilnehmern der DRUCK-Studie waren bereits mindestens einmal inhaftiert. Jeder dritte Teilnehmer hat auch in Haft intravenös Drogen gebraucht, darunter haben 40 % bei der letzten Inhaftierung Konsumutensilien mit anderen geteilt.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Vernetzung zwischen Substitutions- und infektiologischer Ambulanz an der LMU

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Prof. Dr. Oliver Pogarell,
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU München

Die Hälfte aller Personen, die drogenabhängig sind, hat eine zusätzliche psychische Störung. Im Gegenzug birgt eine psychische Störung ein dreifach erhöhtes Abhängigkeitsrisiko. In den allermeisten europäischen Ländern gibt es mittlerweile Spritzentauschprogramme. Angebote von Konsumräumen, Take-home Naloxon oder heroingestützter Therapie sind jedoch weit weniger verfügbar. In Deutschland und Mitteleuropa sind 10 bis 15 % der Drogenabhängigen mit dem HI-Virus infiziert, in Osteuropa sind es über 20 %. Drogenabhängige sind ein Kollektiv mit hoher Krankheitslast, das ärztliche Hilfe oft verzögert bzw. erst im Notfall in Anspruch nimmt, daher fehlen prophylaktische Maßnahmen und der Impfstatus ist zumeist unzureichend. Patienten der Substitutionsambulanz des Klinikums der LMU München weisen überdurchschnittlich häufig folgende internistische Begleitdiagnosen auf: 7 % Hepatitis A, 27 % Hepatitis B, 28 % Hepatitis C, 20 % arterielle Hypertonie, 8 % Leberschäden und 6 % Asthma bronchiale. Zu den Behandlungszielen bei Opioidabhängigkeit in der Substitutionsambulanz gehören auch die Verminderung chronischer Infektionen und die gesundheitliche Stabilisierung. Hier ist die Substitutionsambulanz eng mit der in unmittelbarer räumlicher Nähe gelegenen infektiologischen und internistischen Ambulanz des Klinikums vernetzt. Die integrierte internistische Sprechstunde erleichtert den Zugang zum Gesundheitssystem und steigert die Akzeptanz und Adhärenz der Mitbetreuung. Interdisziplinäre Betreuung und Erfahrung im Umgang mit komplexen Störungen erleichtern die frühzeitige Diagnosestellung und Behandlung bestehender Erkrankungen.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

HIV – Prävalenzen und Versorgung in ländlichen Regionen – Veränderung durch Asylsuchende

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Dr. Joost Butenop,
Sachgebiet Gesundheit, Regierung von Unterfranken

HIV-Infektionen spielen zahlenmäßig keine wesentliche Rolle unter Asylsuchenden in Bayern. Qualitativ jedoch liegen die Probleme bei der sprachlichen Verständigung, der Vernetzung der medizinischen Versorgung sowie der Tabuisierung des Themas in anderen Kulturkreisen und der Stigmatisierung der Betroffenen. Die Herausforderungen durch die Zuwanderung ergeben sich vielmehr durch das andere kulturelle Verständnis von Hygiene, Schwangerschaft und Empfängnisverhütung, Sexualität, aber auch Zahngesundheit, häuslicher Gewalt, Prostitution, Sucht oder psychischer Traumatisierung gepaart mit der limitierten Verfügbarkeit von kompetenten Dolmetschern. Die basismedizinische Grundversorgung vor allem im ländlichen Raum bei zunehmendem Ärztemangel muss im Auge behalten werden. Hier sollte der ÖGD eine Brücken- oder Lotsenfunktion einnehmen: Versorgungslücken erkennen, Duplizierung vermeiden und vulnerable Gruppen identifizieren, dazu gehört auch die systematische, standardisierte Erfassung von Morbiditätsdaten.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Only Human

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Alexandra Maier, AIDS-Beratungsstelle der Caritas München

Only Human ist eine interaktive Wanderausstellung auf drei doppelseitigen, dreigeteilten Stellwänden, die (sexual-) pädagogische Inhalte kultursensibel aufgreift. Sie ist leicht verständlich in zehn Sprachen konzipiert und bietet ein abwechslungsreiches und umfassendes Gruppenangebot für Jugendliche und Erwachsene mit Fluchthintergrund. www.only-human-caritas.de

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Queer Café International

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Martin Tröbs, AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth

Queer Café International ist ein Treffpunkt des SchwuLesBischen Zentrums Nürnberg (Fliederlich e. V.) in Zusammenarbeit mit der AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth e.V für LGBTIQ-Geflüchtete, Migranten und Einheimische. Bei Kaffee, Tee und Kuchen werden Kondome, Checkpoint-Flyer, Testgutscheine, Broschüren, Taschentücher, Give-aways u.a. verteilt. Neben Sozialberatung und Hilfen bei allen Fragen von LGBTIQ-Geflüchteten zu Unterkunft, Umzug, Anerkennungsverfahren, Residenzpflicht, Widerspruch, Kirchenasyl, Abschiebung, Deutsch-Kurse, berufliche Integration, Wohnungssuche, Gewalt, Mobbing, Drohungen und finanziellen Hilfen wird auch Wissen zu Drogen, Sexualität und (sexueller) Gesundheit vermittelt. Die bisher 60 Teilnehmer aus Iran, Irak, Syrien, Afghanistan, Pakistan, Äthiopien, Uganda, Russland, Ukraine, Aserbaidschan, Armenien und Georgien erleben ein Coming Out in winzigen Schritten. Sie können zum ersten Mal in der Muttersprache über das Schwul-Sein sprechen oder endlich als Paar auftreten. Sie erleben Solidarität, knüpfen Kontakte zu Einheimischen und erhalten Einladungen zu Kulturveranstaltungen, Festen und Aktionen. Man kann Klatsch und Tratsch meist auf Arabisch, Farsi, Russisch, Englisch, Deutsch, Armenisch und Amharisch gleichzeitig hören.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Gesund leben in München – Gesundheitsangebote für geflüchtete Frauen

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Ulrike Sonnenberg-Schwan, Frauengesundheitszentrum, München

Frauen erleben in Krieg, Flucht und Vertreibung Folter, Missbrauch, Verstümmelung, Vergewaltigung, ungewollte Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten. In den Gemeinschaftsunterkünften (GU) haben sie keine Rückzugsmöglichkeiten. Es fehlt Privatsphäre, sie sind Übergriffen und sexualisierter Gewalt ausgeliefert. Die häufig abgelegene Lage, die zentrale Essensversorgung und das erzwungene Nichtstun erzeugen Frust durch Monotonie. Die Hygiene wird häufig als mangelhaft empfunden. Das Frauengesundheitszentrum (FZG) in München hat geflüchteten Frauen seit 2016 in elf Gemeinschaftsunterkünften 16 Schulungen und 38 Workshops zu sexueller Gesundheit, Schwangerschaft und Verhütung angeboten, aber auch zu Hygiene, Impfungen, Gesundheitssystem und dem Leben in München. Bisher wurden ca. 460 Frauen vornehmlich aus Afghanistan, Syrien, Nigeria, Somalia und Eritrea erreicht. Sie erfahren Wertschätzung und Hilfestellung (Hilfe zur Selbsthilfe) in körperlichen und psychosozialen Belangen. Frauen sollten in den GU mehr Schutz erhalten. Es sollte integrative Konzepte zur Förderung sexueller Gesundheit von Geflüchteten geschaffen werden. Die Behandlung Traumatisierter sollte ausgebaut werden und zeitnäher erfolgen.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Refu-Competence HIV

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Ulrike Alban, Zentrum für AIDS-Arbeit Schwaben

Die Erstuntersuchungen im Rahmen der Flüchtlingswelle führte zu einer besonderen Herausforderung, da die Geflüchteten oft vor dem HIV - Bestätigungstest in ländliche Regionen umgesiedelt wurden und die dortigen Ärzte und Ärztinnen bei der Beratung an Grenzen stießen. Die ZAS Schwaben hat eine Struktur geschaffen, um Geflüchtete im Hinblick auf sexuell übertragbare Erkrankungen aufzuklären und zu versorgen. Es gibt niederschwellige, aufsuchende Angebote und gemeinschaftsfördernde Angebote wie z.B. das Frauencafé für die Primärprävention und Sekundärprävention. Die Zielgruppen Jugendliche, Männer und Frauen werden getrennt angesprochen, auch im Peer-Ansatz.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Loseblattsammlung „Migration und Gesundheit“

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Doris Stankewitz, AIDS-Beratungsstelle Niederbayern, Passau

Flüchtlingshelfer und -helferinnen sind für das Thema HIV oft nicht sensibilisiert. In Helferkreisen gibt es Ängste vor Infektionen, z.B. durch Hepatitis und HIV. Flüchtlinge haben oft wenig Wissen über HIV, daher ist Prävention sehr wichtig. Es besteht Bedarf an Grundinformationen über Gesundheitsthemen, die – vor allem – für Asylbewerber (und damit auch für ihre Helfer) relevant sind. Durch isolierte Veranstaltungen zu HIV werden Ängste allerdings möglicherweise geschürt statt abgebaut. Eine Loseblattsammlung der AIDS-Beratungsstelle Niederbayern zur Weitergabe an Migranten soll im Herbst  2017 fertig gestellt und an Helferkreise im Raum Passau verteilt sein. Sie wird unter https://www.gesundheitsregion-passauer-land.de online zu finden sein. Sie informiert über Krankheitsvorbeugung und - verhütung, über sexuelle und psychische Gesundheit, Verhütung, Gewaltprävention und über Zugänge zum deutschen Gesundheitssystem. Sie enthält Ansprechpartner für den jeweiligen Landkreis.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

PreP – Konsequenzen für die Präventionsarbeit (?)

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Prof. Dr. Johannes Bogner
Klinische Infektiologie, Medizinische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München

Truvada ist unter strengen Auflagen für die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) in Deutschland zugelassen. Es wird in Kombination mit der Safer-Sex-Methode zur Risikoreduktion von Personen mit hohem HIV-Risiko angewendet. Es sollte Teil einer Gesamtstrategie sein, die regelmäßige Anwendung eines Kondoms, Kenntnis des HIV-Status und regelmäßige Untersuchung auf andere sexuell übertragbare Erkrankungen einschließt. Truvada ist nicht immer wirksam. Der Eintritt des Wirkbeginns nach Einnahme ist unbekannt. In Studien wurden keine weiteren, neuen Nebenwirkungen im Vergleich zur therapeutischen Anwendung beobachtet. Bei „on demand“- Einnahme (IPERGAY-Studie) konnte die Infektionsrate um 86 % gesenkt werden. Aus Erfahrungen in den USA ist bekannt, dass sich PrEP-User vor Beginn der Einnahme nur unzureichend auf HIV, Hepatitis B und Syphilis testen ließen und dass auch das Monitoring vernachlässigt wurde. Der Kondomgebrauch verringerte sich in einer US-amerikanischen Studie unter PrEP um 40 % und die Inzidenz von STI betrug in einem 12-Monatsintervall 50 %. In der Ambulanz der Uni-Klinik München gibt es bisher keine Nachfrage nach Privatrezepten für Truvada. Für die Beratungspraxis ist weiterhin der Kondom-Schutz wichtigster Beratungsinhalt. PrEP sollte derzeit nur sehr ausgewählten Personengruppen ernsthaft angeboten werden: Personen, deren Hypersexualität eine Ansteckungsgefahr mit sich bringt, diskordanten Paaren und Frauen in einer gewalttätigen männlichen Umgebung.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Aktuelles zur antiretroviralen Therapie (ART)

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Prof. Dr. Johannes Bogner, Klinische Infektiologie,
Medizinische Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München

Aufgrund der höheren Sensitivität der neuen Suchtests wird nun eine HIV-Testung schon 6 Wochen nach Exposition und nicht wie zuvor nach 3 Monaten empfohlen. Jede HIV-Diagnose ist nach internationalen Standards eine Therapieindikation und soll nach Leitlinie erfolgen. Dazu sind 27 antiretrovirale Substanzen verfügbar, aus denen üblicherweise Zwei- oder Dreifachkombinationen eingesetzt werden. Diese sind als Fixkombinationen in einer Pille erhältlich: Therapietreue ist extrem wichtig, dann ist einerseits eine quasi normale Lebenserwartung bei guter Gesundheit erreichbar, andererseits sind die Viren zu 99% aus dem Blut eliminierbar und die Weitergabe der Infektion vermeidbar. Bei Begleiterkrankungen wie ein hoher Cholesterinspiegel oder Depressionen gibt es Kontraindikationen für einzelne Präparate. Bei guter Erfahrung des Patienten mit einer langjährigen Therapie und Ausbleiben von Nebenwirkungen sollte die Umstellung auf vielleicht modernere Präparate sehr restriktiv gehandhabt werden. Drei Neuzulassungen werden erwartet: Raltegravir once daily, eine Fixkombination mit Proteaseinhibitoren und Doravirin, ein neuer Nicht-Nucleosid-Inhibitor.

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Selbsttests und Einsendetests

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Michael Tappe, Deutsche AIDS-Hilfe, Berlin

Unter einem HIV-Heimtest versteht man einen selbst durchgeführten Schnelltest auf eine Infektion mit dem HI-Virus. Hierzu wird üblicherweise ein Bluttropfen auf ein Teststäbchen aufgebracht, auf dem sich, ähnlich einem Schwangerschaftstest, nach einer gewissen Zeit ein oder zwei Farbstriche zeigen, die negativ oder positiv anzeigen. Der Heimtest ist ein klassischer Suchtest, dem sich zwingend ein Bestätigungstest bei einem Arzt anschließen muss. In Großbritannien wurde er 2015 und in Frankreich 2016 zugelassen, die Bundesregierung stellt die Zulassung für 2017 in Aussicht. Der Gesetzgeber lehnte die Zulassung des Heimtests in Deutschland bisher mit der Begründung ab, dass unzuverlässige Tests angeboten wurden, dass die Sets nicht für den “Hausgebrauch” gemacht waren und dass die belastende Nachricht eines positiven Testergebnisses im Beisein eines Beraters stattfinden sollte. Diese Situation hat sich in den vergangenen Jahren dahingehend verändert, dass die Unzuverlässigkeit der Tests mittlerweile kein Argument mehr ist, die Diagnose HIV-positiv an Schrecken verloren hat und die Nachfrage massiv steigt. Die Utensilien zur Testdurchführung wären dann rezeptfrei in der Apotheke oder per Internetversand beziehbar. Das Entnahmeset enthält das benötigte Zubehör und eine Gebrauchsanleitung. Vom Heimtest zu unterscheiden ist der Einsendetest (self-sampling subscription process). Die Probennahme erfolgt zwar auch durch die zu testende Person zuhause, jedoch hat diese Person in der Regel bereits eine HIV-Diagnose und ist an eine Arztpraxis angebunden. Es handelt sich um das Prinzip der Verlaufskontrolle. Das Material wird in einem Einsendelabor analysiert. Der Patient erhält in einem Turnus von 3 - 6 Monaten unaufgefordert das nächste Set für die Probennahme zuhause. Es enthält neben dem HIV-Test auch Probennahmematerial für die Testung auf Chlamydien, Gonorrhö und Syphilis. Es gibt drei Testsets für unterschiedliche Patientengruppen: SAMANTHA für Frauen, SAMUEL für heterosexuelle Männer und SAM für Männer, die Sex mit Männern haben. An drei Zentren in München läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie zum SAM-Test.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Präventionswoche zur sexuellen Gesundheit an einer Regensburger Berufsschule

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Annemarie Rödl, Gesundheitsamt Regensburg

In Kooperation mit dem Schulsozialdienst veranstaltet das Gesundheitsamt Regensburg an einer Berufsschule jährlich eine Präventionswoche zum Thema „Sexuelle Gesundheit“. Jede Einstiegsklasse erfährt in zwei Schulstunden bildhaft, interaktiv und niedrigschwellig, welche Übertragungswege, Schutzmaßnahmen und Testangebote es bei HIV und STI gibt. Das Besondere ist, dass die Schüler in einem Spiel entscheiden müssen, welchem von? fünf fiktiven HIV-positiven Patienten (Geschäftsmann, junger Student, Arzt, Prostituierte, Baby) sie das einzige HIV-Medikament geben würden. Es entsteht eine rege Diskussion unter den Schülern, in der Runde um Runde mehr Informationen über die Patienten offenbart werden, z.B. dass der Arzt Alkoholiker ist. In diesem Kontext lassen sich auch Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit einer HIV-Diagnose gut thematisiert. Wenig Interesse zeigen die Schüler an Broschüren, Apps werden besser angenommen und das Roll-up mit den Angeboten und Sprechzeiten der Beratungsstelle für sexuell übertragbare Erkrankungen wird gerne abfotografiert.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Aufklärung bei Jugendlichen im 21. Jahrhundert

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Daniel Nagel, Benedict Gruber

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Eltern als Multiplikatoren

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Nicole Ziwitza, AIDS-Beratung Mittelfranken, Nürnberg

Eltern gehören für Heranwachsende zu den wichtigsten Informationsvermittlern zu Sexualität, Verhütung und sexuelle Gesundheit. Das setzt die Informiertheit der Eltern voraus. Die Beratungsstelle der Stadtmission Nürnberg bietet seit März 2017 Elternabende zu Inhalten und Didaktik elterlicher Sexualaufklärung und HIV- und STI-Prävention unter dem Motto „Wie sag ich‘s meinem Kinde?! Mit Kindern über Sexualität und sexuelle Gesundheit sprechen“. Eine Veranstaltung dauert 90 Minuten. Perspektivisch wäre die Unterstützung der Beratungsstellen durch staatliche Institutionen (Kultusministerium, Schulämter) in der Priorisierung des Themas Elternarbeit an Schulen wünschenswert sowie grundsätzlich ihr Engagement für das Thema Elternarbeit an Schulen.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Hepatitis A Ausbruch bei MSM

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Dr. Anne Belting,
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Das Hepatitis A Virus ist weltweit verbreitet und weist eine hohe Umwelt- sowie Hitze- und Kältestabilität auf. Es wird über den Darm ausgeschieden und kann als fäkal-orale Schmierinfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. In Deutschland infizierten sich im Jahr 2016 nur 0,9 von 100.000 Personen mit dem Virus. Immer mehr Jugendliche und Erwachsene weisen keine Immunität gegen HAV auf. Sie wird auch als "Reisehepatitis" bezeichnet. Erkrankte können neben allgemeinem Krankheitsgefühl und Magen-Darm-Symptomen auch leichtes Fieber entwickeln, bei schwererem Verlauf später auch eine Gelbsucht. Der Erregernachweis erfolgt aus Stuhl oder Blut. Analysen zur Klärung von Infektionsketten bei Ausbrüchen nimmt das Konsiliarlabor für Hepatitis A und E Viren in Regensburg vor.

Das Gesundheitsamt der Stadt München teilte im vergangenen Herbst Informationen zu einer Ballung von fünf Hepatitis A Erkrankungen zwischen August und Oktober 2016 mit Angabe von MSM-Kontakten als Risikofaktor mit. Alle Erkrankten hatten denselben Hepatitis A Genotyp IA. Ein weiterer Fall aus dem Raum Frankfurt a. M. mit exakt demselben Subtyp kam hinzu. Auch in Berlin wurden zeitgleich Hepatitis A Fälle bekannt. Die Abfrage von spezifischen Risikofaktoren bei den Gesundheitsämtern bestätigte eine überproportionale Zunahme der Fälle bei männlichem Geschlecht und mit der Angabe von MSM Kontakten.  Die Sequenzierung von Fällen aus Berlin zeigte Übereinstimmung mit Fällen aus München/Frankfurt sowie Fällen aus Großbritannien und Fällen, die nach der Europride-Parade in den Niederlanden untersucht wurden. Lebensmittel als Infektionsquelle konnten ausgeschlossen werden. Es wird von einer Übertragung überwiegend durch Sexualkontakte ausgegangen. Das Infektionsgeschehen konnte als drei europaweite Ausbrüche eingeordnet werden und ist Ausdruck einer gut vernetzten MSM Szene in Europa. Insgesamt konnten in Bayern bei elf Hepatitis A Fällen bis zum 22.06.2017 am Konsiliarlabor in Regensburg eine Zugehörigkeit zu einem der drei Cluster nachgewiesen werden. Von einer Untererfassung der Fälle ist auszugehen. Es besteht das Potential, dass sich der Ausbruch auch außerhalb der Gruppe der MSM weiterverbreitet, wenn die eingeleiteten  Kontrollmaßnahmen nicht greifen! Das RKI ruft zur aktiven Fallsuche und Immunisierung der Risikogruppe auf. MSM sollen über die Möglichkeit einer Impfung gegen Hepatitis A Infektion sowie über risikobehaftete Sexualpraktiken aufgeklärt werden. Wichtigste Präventionsmaßnahmen sind persönliche Hygiene, insbesondere das sorgfältige Waschen im Analbereich, Händewäschen vor und nach sexuellen Aktivitäten – insbesondere wenn oral-analer Sex, Stimulation des Anus, „Fingering“ oder „Fisting“ praktiziert werden – und das Tragen von Latex-Handschuhen (gewisser Schutz bei „Fingering“ und „Fisting“) und Kondomen beim Analsex.

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HIV‐PRÄVENTION BEI MSM HERAUSFORDERUNGEN - UND CHANCEN - DURCH SOCIAL MEDIA

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Richard Lemke, Institut für Publizistik, Universität Mainz

In einer Umfrage in den USA gaben im Jahr 2010 fast 70 % der homosexuell orientierten Befragten an, ihre derzeitigen Partner im Internet kennengelernt zu haben. Zehn Jahre zuvor waren das keine 20 %. Demgegenüber bahnt sich bei gegengeschlechtlichen Paaren nur jede fünfte Beziehung über das Internet an. Die Situation der MSM scheint auch auf Deutschland übertragbar zu sein, denn eine Umfrage ab 2010 zeigt, dass über die Hälfte der Befragten Schwulen sich eher szenefern bewegen, Tendenz steigend. Das trifft auch auf Großstädte mit ausgeprägter Schwulenszene zu und kann nicht durch eine Distanz zur Lebenswelt schwuler Männer interpretiert werden. Die Befragten gaben auch an, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer beim Chatten Sexpraktiken thematisierten, die sie bisher nicht real erlebt hatten, dass ein Drittel sexuelle Wünsche formuliert hat, die sie vorher von sich nicht kannten und dass 41 % durch das Chatten Praktiken ausprobiert haben, die sich sonst nicht ergeben hätten. Insgesamt hat das Internet vermutlich zu einer umfassenderen Erreichbarkeit von MSM geführt, auch für die Forschung und Prävention. Es bilden sich anonyme MSM-Subgruppen. Besonders relevant in der Szene ist die mobile Verfügbarkeit von Inhalten geworden. In einigen Subgruppen zeichnet sich allerdings eine Abkehr von „klassischen“ MSM-spezifischen Datingseiten und Apps hin zu Mainstream Social Media ab ohne besondere Gruppenbildung. Diversifizierungsprozesse hinsichtlich der Nutzung von Social Media in der Gruppe der MSM vollziehen sich aktuell und müssen in Betracht bleiben.

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16. Bayerisches Forum AIDS-Prävention

Testaktion in der Schwulensauna ‚Deutschen Eiche‘ in München

Dr. Kai Kundrath,
Sub – Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum
München e. V.

In Kooperation bieten das Sub ─ Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München e.V. und die Münchner AIDS-Hilfe Testaktionen in der Schwulensauna eines einschlägigen Szeneetablissements in der Münchner Innenstadt an. Bereits 2008 gab es Testangebote in der Sauna mit entsprechender Risikoberatung. Weitere Termine folgten im Jahr 2015 in Verbindung mit „Sauna-Talk“ mit 50 Klienten. Seither hat sich das Angebot verstetigt. Es wird durch Plakate, Flyer & Kalendereinträge im lokalen Szenemagazin beworben. Hierdurch wurde etwa die Hälfte der Klienten erreicht. Die andere Hälfte wurde direkt durch die sichtbare Aktion im Saunabereich an Samstagen zwischen 18 und 21 Uhr darauf aufmerksam. Gemäß den Teststandards für MSM werden Test auf HIV, Syphilis, Hepatitis A, B und C, sowie auf Chlamydien und Gonokokken als Labortests angeboten. Eine telefonische Ergebnisabfrage mit erweiterter Beratung ist möglich. Diese erfährt hohe Akzeptanz. Sieben Termine gab es bisher in den Jahren 2016 und 2017, an denen 147 MSM-Klienten getestet wurden. Darunter befanden sich 28 Ersttester bzw. Männer nach längerer Testpause. Unter den erreichten Personen konnten vier mit einer HIV-, zwei mit einer Syphilis-, einer mit einer Hepatitis B- Diagnose und 16 mit einem positiven Gonokokken/ Chlamydien-Abstrich gefunden werden. Mit dem Konzept kann auch die Zielgruppe aus dem ländlichen Umland gut erreicht werden. Über die Hälfte der Klienten wohnten nicht in München. HIV-Präventionsteams in Hamburg, Essen, Köln übernehmen nun das Modell.

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